45 Jahre Mitropa-Rally-Cup 2009:

Führungswechsel im Mitropa Rally Cup

Slowene Rok Turk gewinnt Heimrallye Saturnus und überholt Tabellenleader Gaßner jun.

Ljubljana (kartha). Die Vorherrschaft der Gaßners in der inoffiziellen Europameisterschaft der Privatiers und Amateure ist vorerst gebrochen. Nach dem dritten Lauf im Rahmen der 32. Rallye Saturnus in Slowenien präsentiert sich mit Rok Turk ein neuer Spitzenreiter, der die Mitropa-Wertung bei seiner Heimrallye für sich entschieden hat. Der Slowene im Peugeot 206 R3 profitierte aber dabei vom Ausfall von Hermann Gaßner und vom Startverzicht seines Sohnes. Der Tabellenleader aus Surheim trat zeitgleich bei der Sachsen-Rallye an, um seine Titelchancen in der Deutschen Rallyemeisterschaft zu wahren.

Unter den 63 Teams, die am Freitagabend am Messegelände in Ljubljana an den Start gingen, waren 17 Teilnehmer des diesjährigen Mitropa Rally Cup. Nach der Auftaktprüfung am Freitagabend – drei Runden im Sandbahnstadion von Lubljana vor einer Menge begeisterter Zuschauer –  setzten sich der Tabellenzweite Hermann Gaßner (Surheim) und seine Beifahrerin Karin Thannhäuser (Ufering) im Mitsubishi EVO X zunächst an die Spitze in der Mitropa-Cup-Wertung. Am Samstagmorgen wurde es dann ernst. Neun anspruchsvolle und sehr selektive Wertungsprüfungen mit einer Länge von fast 115 km warteten auf das internationale, stark besetzte Teilnehmerfeld.

Zur Halbzeit hatten Hermann Gaßner/Karin Thannhäuser die Mitropa-Cup-Führung mit 54,4 Sekunden Vorsprung auf die slowenischen Verfolger Jani Trček/Mitja Česenj (Mitsubishi Evo IX) ausgebaut. Doch dann kam das vorzeitige Aus für das bayerische Mixed Team. „Auf der siebten WP ging uns plötzlich die Straße aus“, resümiert Beifahrerin Karin Thannhäuser enttäuscht. „Unser Mitsubishi steckte fast unversehrt kopfüber im Graben fest. Leider waren an dieser Stelle keine Zuschauer, um uns zu helfen, das Auto aus dieser Lage wieder auf die Straße zu bringen.“ Mit dem Schlusswagen kam ein Traktor und es genügte ein kleiner Ruck, bis der Mitsubishi wieder auf seinen vier Rädern stand. Die Bayern waren aber nicht die einzigen Pechvögel auf dieser Prüfung: Die Italiener Carlo Fornasiero und Oriella Tobaldo (Peugeot 106) verloren rund vier Minuten durch einen Reifenschaden und fielen auf den 24. Gesamtrang zurück.

Die Mitsubishi-Piloten Miha Rihtar/Jaka Cevc aus Slowenien und auch die Tschechen Josef Dvorak/Jan Slavik (Skoda Fabia RS) büßten viel Zeit durch „Abstecher in die Botanik“ ein und fanden sich am Ende des Feldes wieder. Bis zum Etappenziel hatten sich beide Teams schon wieder bis auf den 22. bzw. 25. Platz des Gesamtklassements zurück gekämpft.

Für eine positive Überraschung sorgte das slowenische Damenteam Asja Zupanc und Tajda Turk. Mit vielen frenetischen Fans im Rücken beeindruckten die Lokalmatadorinnen im gelb-blauen Gaßner-Evo IX mit schnellen Zeiten. Am Samstagabend fand man die beiden Mädels auf dem neunten Gesamtrang und auf der dritten Position in der Mitropa Cup Wertung, nur knapp 30 Sekunden hinter Rok Turk/Enej Ložnar Kranjc. Teamkollege Boris „Pixi“ Požeg und sein serbischer Beifahrer Aleksandar Jeremič hatten mit ihrem Mitsubishi Evo VIII Rang fünf erobert und lagen nur knapp neun Sekunden hinter den Viertplazierten Sašo Vusič/Robert Levstik (Mitsubishi Evo IX). Auf Position eins hatten Jani Trček/Mitja Česenj schon über eine Minute Vorsprung herausgefahren.

Die letzte und entscheidende Etappe führte am Sonntag über weitere sechs Wertungsprüfungen mit fast 120 km. Hermann Gaßner und Karin Thannhäuser starteten nach dem „Super-Rally-Prinzip“, um noch einige Testkilometer in der neuersten EVO-Baureihe zu absolvieren. „Es sind so schöne Wertungsprüfungen, die wollten wir uns nicht entgehen lassen“, erklärt Gaßner. „Wir haben hier auch einige Fans, die wollten wir nicht enttäuschen. Dabei sein ist alles – das stand für uns im Vordergrund!“

Highlight dieser letzten Etappe war die 30 Kilometer lange Prüfung „Višnja Gora“, die es zwei Mal zu „überwinden“ galt. Hier machte das Damenteam mit der sensationellen, viertschnellsten Gesamtzeit erneut auf sich aufmerksam. Allerdings mussten sich im ersten Durchgang dieses Tages drei Mitropa-Teilnehmer verabschieden. Die österreichische Paarung Peter Schuhmacher/Günter Baumgartner stellten ihren Mitsubishi Evo VI mit Differentialschaden ab. Das gleiche Problem hatte der Tscheche Ludvig Otto mit seinem Subaru Impreza N14.
Nach WP 13 musste auch Josef Dvorak seinen Skoda Fabia mit Getriebeproblemen stehen lassen. Die gute Vorstellung von Asja Zupanc/Tajda Turk wurde durch einen Reifenschaden in WP 14 getrübt. Dadurch fiel das Damenteam vom dritten auf den sechsten Platz zurück. In der Gesamtwertung verloren die Beiden gleich sieben Plätze und fanden sich auf dem 14. Rang wieder.

Auf der 16. und letzten Prüfung überschlugen sich die Ereignisse und das Klassement wurde kräftig durcheinander gewirbelt. Während Hermann Gaßner/Karin Thannhäuser ihren Evo X zu einer sensationellen Gesamtbestzeit hetzten, mussten Boris Požeg und Aleksandar Jeremič  einen Reifen wechseln und ihren vierten Platz dem Italiener Carlo Fornasiero überlassen, der sich nach seinem Reifenschaden mit beherzter Fahrweise wieder bis auf den 13. Gesamtplatz nach vorn gekämpft hatte. Ganz bitter kam es auch für die Führenden in der Mitropa Cup Wertung Jani Trček/Mitja Česenj, die ebenfalls einen Reifenschaden zu verzeichnen hatten und sich in der Endabrechnung mit den Punkten für den dritten Platz abfinden mussten. Das Damenteam Asja Zupanc/Tajda Turk kann sich die Punkte für Platz 5 gutschreiben lassen.

Jubelnde und verdiente Sieger waren Rok Turk und Enej Ložnar Kranjc, die mit ihren Peugeot 206 R3 eine blitzsaubere Leistung ablieferten und knapp 30 Sekunden vor Sašo Vusič/Robert Levstik über die Ziellinie fuhren.

Damit übernehmen beide gemeinsam in der Fahrer- sowie auch in der Beifahrerwertung die Führung im Mitropa Rally Cup und kommen mit einem Punkt Vorsprung vor Hermann Gaßner jun. als Tabellenleader nach Österreich. Dort gibt es in Judenburg am 05./06. Juni bei der Castrol-Judenburg-Pölstal-Rallye ein erneutes Aufeinandertreffen der „Mitropa Rally-Cup-Familie“.

Karin Thannhäuser


 

 
 
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